Wir wissen, das Projekt Kein-Täter-Werden, wird seit 2005 von der Stiftung Hänsel und Gretel finanziell unterstützt.
Im Jahr 2009 erschien ein Online-Artikel in der "Welt", mit dem Titel "Geschäfte mit Kinderschutz?", von Kristian Frigelj. Der Artikel deckt auf, dass es sich bei dieser Stiftung um etwas "Sonderbares" handelt, ohne das Wort Geldwäsche zu verwenden, kommt einem der Gedanke.
Ich füge den Artikel hier mal ein:
Geschäfte mit Kinderschutz?
Von Kristian Frigelj
Veröffentlicht am 28.06.2009Lesedauer: 5 Minuten
Die umstrittene "Stiftung Hänsel und Gretel" legt neue Hintergründe ihrer Arbeit offen. Die Arbeit für den Gemeinnutz wurde einer Marketingagentur übertragen
Einen seriösen Eindruck will die "Stiftung Hänsel und Gretel" hinterlassen. Bisher sind auch kaum jemandem daran Zweifel gekommen, dass die gemeinnützige Einrichtung sich allein um das Kindeswohl bemüht oder dass die Angaben der Stiftung vollständig sind. Ihr "Notinsel"-Projekt etwa wird von mehr als hundert Kommunen, einige davon auch in Nordrhein-Westfalen, positiv angenommen.
Die Stiftung mit Sitz in Karlsruhe besitzt das Vertrauen erweckende Spendensiegel des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen (DZI), das Transparenz und Seriosität ausstrahlt. Sie präsentiert eine stattliche Garde von prominenten Imagehelfern auf ihrer Homepage, allen voran die Ehefrau des Bundespräsidenten, Eva Luise Köhler. Schirmherr ist Baden-Württembergs Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU).
Doch auf dieser makellosen Fassade sind Risse entstanden, seitdem bekannt ist, dass die Stiftung ihre "Notinsel"-Idee über kostenpflichtige .nixda-Verträge vertreibt. Damit sich Geschäftsleute den Aufkleber kostenlos an die Tür kleben können, um Kindern in Not Hilfe zu signalisieren, müssen Kommunen oder Vereine einen .nixda abschließen. Sie zahlen einmalige .nixda und verpflichten sich, "Notinsel"-Materialien über die Stiftung zu erwerben, die mit einer Druckerei zusammenarbeitet. Das sei längst nicht kostendeckend, sagt die Stiftung.
Vor einem Monat hat die "Welt am Sonntag" erstmals über diese Verträge berichtet. Erste Kommunalpolitiker in Unna und Münster sind dadurch skeptisch geworden. Der Rechtsbeistand der Stiftung versicherte daraufhin der "Welt am Sonntag", sein Mandant habe nichts zu verbergen, und betonte in Schreiben, die Ausführungen dieser Zeitung würden als Anregung und Anlass für Verbesserungen verstanden. Demnach wird die Stiftung die Bilanzen 2007 und 2008 sowie einen .nixda im Internet offen legen. Vorab gab die Stiftung bekannt, dass sie in den vergangenen sieben Jahren insgesamt rund 3,24 Millionen Euro an Einnahmen und 3,13 Millionen Euro an Ausgaben verbucht hat.
Die Einsicht zu mehr Transparenz führte dazu, dass der Geschäftsführer der Stiftung, Jerome Braun, weitere Einblicke hinter die wohltätige Fassade gewährte. Schließlich ist die Vertrauenswürdigkeit im gemeinnützigen Sektor entscheidend.
Gleichwohl werden neue Auffälligkeiten deutlich. So verfügt die Stiftung, abgesehen vom Vorstand mit der ehemaligen baden-württembergischen Sozialministerin Barbara Schäfer-Wiegand (CDU) an der Spitze, über "kein eigenes Personal", erklärt Braun. Er bezieht nach eigener Auskunft von der Stiftung auch kein Gehalt.
Die Angaben zum Personal sind durchaus aufschlussreich, denn bei der operativen Umsetzung der "Notinseln" vor Ort etwa galten nicht der Vorstand, sondern Braun und eine Kollegin als erste Ansprechpartner. Braun bietet eine verwirrende Erklärung für seinen Status: "Die Bezeichnung Geschäftsführer für mich ist historisch bedingt und bezieht sich jetzt auf meine Funktion als Organ und Repräsentant der Stiftung."
Ohnehin gibt es bei der Arbeitsweise der Stiftung eine Überraschung: "Die Benefit Identity GmbH betreut als Dienstleister im Auftrag der Stiftung die gesamten Aktivitäten der Stiftung", schreibt Braun auf Anfrage dieser Zeitung. Die Stiftung habe mit der GmbH einen "Dienstleistungsvertrag gegen Zahlung einer monatlichen Pauschale abgeschlossen, mit welcher alle Tätigkeiten im Rahmen des Vertrages abgegolten sind, insbesondere die gesamte Projektarbeit, eingeschlossen das Notinsel-Projekt, das Fundraising sowie die anfallende Büro- und Verwaltungsarbeit der Stiftung".
Dies war bisher so nicht bekannt. Zudem stellt sich heraus, dass der Geschäftsführer der Benefit Identity GmbH wiederum Jerome Braun ist. Diese Gesellschaft wurde laut Handelsregistereintrag im Jahre 2006 von Braun und zwei weiteren Partnern aus der Marketingbranche gegründet.
Die Agentur entwickelt nach eigenen Angaben "kreative PR- Strategien, Veranstaltungs- und Kommunikationskonzepte für Wirtschaft und Institutionen, um dem sozialen Profil des Unternehmens, der Marke oder der Stiftung zur Einzigartigkeit zu verhelfen und den Erfolg des Engagements nachhaltig zu multiplizieren." Man übernehme auch das "ganzheitliche Management von Stiftungen".
Die Stiftung sieht in dieser Hinsicht wohl selbst einigen Aufklärungsbedarf. Denn im Laufe der Recherchen dieser Zeitung wurden auf der Homepage erstmals Hinweise auf die Benefit Identity GmbH eingefügt, wenngleich die Darstellung verwirrend bleibt: "Seit Stiftungsgründung im Jahr 1997 ist Jerome Braun Geschäftsführer der Stiftung Hänsel und Gretel. Seit Juli 2006 überträgt ihm diese Funktion die Stiftung Hänsel und Gretel im Rahmen einer Dienstleistungstätigkeit der Benefit Identity GmbH."
Es kommt im gemeinnützigen Sektor häufiger vor, dass Vereine und Stiftungen Dienstleistungs- oder Geschäftsbesorgungsverträge abschließen. Agenturen kümmern sich dann etwa um Mitgliederverwaltung und Marketing, weil den Vereinen die Kapazitäten dazu fehlen. Freilich ist dies ein schmaler Grat, denn es gab mitunter Fälle, in denen Agenturen die Vereine mit hohen Kosten belasteten oder klammheimlich die Federführung übernahmen.
Das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI) in Berlin nimmt eine Wächterfunktion im dritten Sektor wahr und hat mit der "Stiftung Hänsel und Gretel" keinerlei Probleme. "Die Stiftung erfüllt seit fast zehn Jahren ohne Unterbrechung die Kriterien für die Zuerkennung des Spenden-Siegels und beweist damit nach unserer Einschätzung in besonderem Maße ihre geprüfte Transparenz", erklärt DZI-Geschäftsführer Burkhard Wilke auf Anfrage. Dennoch bleiben die Verhältnisse bei der "Stiftung Hänsel und Gretel" ungewöhnlich. Stiftung und Benefit Identity GmbH firmieren beide am "Ahaweg 2" in Karlsruhe. Dieser Standort ist nach Auskunft von Braun eine Wohnung, angemietet von der GmbH.
Die Wohnung ist Anlaufpunkt für zwei weitere Einrichtungen: die "Mentorstiftung", eigentlich ein Förderverein mit Jerome Braun als Geschäftsführer, und die "Stiftungs-TV GmbH", für die Braun gemäß Handelsregister Einzelprokura erteilt wurde. Alle vier Einrichtungen sind über fast gleiche Rufnummern zu erreichen, sie unterscheiden sich nur in ihren letzten Durchwahlziffern.
Täuscht der Eindruck, dass ein vielfältiges Geschäftsmodell im Wohltätigkeitsbereich am Ahaweg entstanden ist, teilweise unter Einbeziehung des gemeinnützigen Kinderschutzes? "Stiftung Hänsel und Gretel" und Benefit Identity GmbH verweisen im Internet auch direkt auf Stiftungs-TV. Die Benefit Identity GmbH berichtet auf ihrer Homepage im Netz, wie sie eine Charity-Gala für die "Mentorstiftung" organisierte.
Auf Anfrage, in welchem geschäftlichen Zusammenhang die vier Einrichtungen am Ahaweg zueinander stünden, antwortet Braun lediglich: "Die Benefit Identity betreut als Dienstleister im Auftrag der Stiftung die gesamten Aktivitäten der Stiftung. Alle weiteren Aktivitäten der Benefit Identity GmbH stehen in keinem Zusammenhang mit der Stiftung."
Meine Perspektive: Die Stiftung sieht von außen gut aus (mit prominenten Unterstützern), aber dahinter ist es seltsam kompliziert. Der Chef der Stiftung hat auch eine eigene Marketing-Firma. Diese Firma kassiert das Geld der Stiftung für die "Notinsel"-Arbeit. Es sieht aus wie ein kleines Netzwerk aus Stiftungen und Firmen an einem Ort. Ob da wirklich nur für Kinder gespendet wird – oder ob jemand dabei gut verdient –, ist schwer zu durchschauen.
Die Stiftung verfügt laut Eigenangabe über kein eigenes Personal. Die gesamte operative Arbeit wird von der Benefit Identity GmbH ausgeführt, deren Geschäftsführer wiederum Jerome Braun ist – derselbe, der als Geschäftsführer der Stiftung auftritt.
Diese Konstruktion bedeutet, dass die Spendengelder und .nixda-Einnahmen der gemeinnützigen Stiftung an eine private Marketingagentur fließen, die von derselben Person geleitet wird. Dies schafft erhebliche Interessenkonflikte und macht eine klare Trennung von gemeinnützigen und kommerziellen Aktivitäten unmöglich.
Die Tatsache, dass Kommunen oder Vereine für das vermeintlich wohltätige Projekt „Notinsel“ einen kostenpflichtigen .nixda abschließen und Material über die Stiftung beziehen müssen, eröffnet einen direkten Geldfluss.
Dieser Geldfluss endet letztlich bei der Stiftung, die ihrerseits die Gelder an die mit ihr verflochtene Benefit Identity GmbH weiterleitet. So können Spendengelder und öffentliche Mittel in undurchsichtige Kanäle abfließen.
Geldwäsche bedeutet, dass illegal erwirtschaftete Gelder in den legalen Wirtschaftskreislauf eingespeist werden, um ihre Herkunft zu verschleiern. Dafür werden oft scheinbar seriöse Frontunternehmen oder auch gemeinnützige Organisationen genutzt. Die hier beschriebenen Strukturen könnten theoretisch für solche Zwecke anfällig sein.
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Re: Kinderschutz ist ein geiles Geschäft
ich glaube ich muss erst mal BWL oder sowas studieren, um nicht ständig den Faden zu verlieren.
9424APZFS
Re: Kinderschutz ist ein geiles Geschäft
Allein schon die Tatsache, sich mit Verträgen zum Kauf von mehreren tausend Euro teuren Aufklebern zu verpflichten, sollte einen skeptisch werden lassen. Da sich die teilnehmenden Läden aber wohl eher selbst auf den Aufkleber konzentrieren - denn ein Kinderschutznotinsel-Aufkleber an der Tür birgt auch das Potential für mehr zahlende Kundschaft - scheinen diese Kosten als Marketingausgaben und damit Werbungskosten im Geschäftsmodell des jeweiligen Ladenbesitzers abgerechnet zu werden. Denn: Wer kauft nicht gerne bei jemandem ein, der sich um das Wohl der Kinder kümmert? Die Zeichentrick-Serie "Die Simpsons" hat das bereits vor den 2000er-Jahren erkannt und gut karrikatiert mit den Worten der Pfarrersfrau: "Denkt denn hier niemand an die Kinder?"
Wie nur kann ich derjenige sein, vor dem die Kinder dieser Welt gewarnt werden, von dem sie sich fernhalten sollen, wenn sie doch meine Gegenwart ganz und gar erbaulich finden?
Re: Kinderschutz ist ein geiles Geschäft
Hier in der Stadt gibt es an vielen Geschäften ähnliche Aufkleber - die stammen aber aus einer lokalen Aktion und dürften für die Läden entweder kostenlos oder über die Mitgliedsbeiträge der örtlichen Werbegemeinschaft finanziert worden sein. Dass im Namen des "Kinderschutzes" allerlei dubiose Geschäftemacher unterwegs sind, spricht allerdings Bände...