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BeitragVerfasst: 21.10.2021, 23:53 
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Als ich letztens mal wieder über eine Liste von womöglich pädophilen historischen Persönlichkeiten oder Berühmtheiten gestolpert bin, stieß ich auf einen Namen, den ich vorher noch nicht kannte: Janusz Korczak (*1878, †1942). Ich habe mal ein wenig recherchiert (lies: mir zwei Wikipedia-Artikel angeguckt), und denke, der Mann hat einen Thread hier verdient.

Janusz war ein polnischer Kinderarzt, Kinderbuchautor, Pädagoge. Sein wohl größter Lebensinhalt war allerdings das Dom Sierot, ein Waisenhaus für jüdische Kinder in Warschau. Als er die Möglichkeit bekam, dieses Waisenhaus nach seinen Vorstellungen zu leiten, gab er den Arztberuf dafür auf. Soviel nur zur ganz groben Einordnung. Es gibt zwei Aspekte, die vielleicht auf eine pädophile Neigung hinweisen könnten, in jedem Fall aber bemerkenswert sind.

Zum einen ist da die außerordentliche Hingabe, mit der Janusz sich um Kinder kümmerte. Viele könnten leicht behaupten, dass sie für bestimmte Menschen ihr Leben geben würden; aber Janusz tat es tatsächlich. Als die Kinder seines Waisenhauses 1942 in ein KZ deportiert werden sollten, da bestand Janusz darauf, sie zu begleiten. Dass das seinen Tod bedeuten würde, soll ihm bekannt gewesen sein. Ein Augenzeuge berichtete: "Für jenen Morgen war die ‚Evakuierung‘ des jüdischen Waisenhauses, dessen Leiter Janusz Korczak war, befohlen worden; er selbst hatte die Möglichkeit, sich zu retten, und nur mit Mühe brachte er die Deutschen dazu, daß sie ihm erlaubten, die Kinder zu begleiten. Lange Jahre seines Lebens hatte er mit Kindern verbracht und auch jetzt, auf dem letzten Weg, wollte er sie nicht allein lassen."

Zum anderen sind da seine pädagogischen Schriften, allen voran wohl das Werk "Wie man ein Kind lieben soll". Hier soll zunächst ein Zitat für sich sprechen:
Janusz Korczak hat geschrieben:Ich fordere die Magna Charta Libertatis, als ein Grundgesetz für das Kind. Vielleicht gibt es noch andere – aber diese drei Grundrechte habe ich herausgefunden:

1. Das Recht des Kindes auf seinen eigenen Tod
2. Das Recht des Kindes auf den heutigen Tag
3. Das Recht des Kindes, so zu sein, wie es ist.
Das erste Recht bedarf wohl einer Erklärung, ich liefer an der Stelle mal die von Wikipedia:
Wikipedia hat geschrieben:Das auf den ersten Blick sehr befremdlich scheinende Recht des Kindes auf seinen eigenen Tod wird erst verständlicher, wenn man es als Kritik gegen eine von Angst beherrschte Erziehungsatmosphäre liest. Korczak kritisiert eine Erziehung, die durch Überversorgung und Dauerbehütung das Kind davon zurückhält selbstständige Erfahrungen zu machen: „Du musst eben den Mut aufbringen, ein bisschen Angst um sein Leben auf dich zu nehmen“. Dabei verbindet er zwei verknüpfte Forderungen: Die Erwachsenen müssen sich vor unnötiger Bevormundung, Drohungspraktiken und Misstrauen fernhalten und dem Kind Handlungsfähigkeit zugestehen, indem das Kind Entscheidungswille und Verantwortung übernehmen kann.
Und nochmal ein sehr schönes Zitat von Janusz:
Janusz Korczak hat geschrieben:Um der Zukunft willen wird gering geachtet, was es, das Kind, heute erfreut, traurig macht, in Erstaunen bringt, ärgert und interessiert. Für dieses Morgen, das es weder versteht noch zu verstehen braucht, betrügt man es um viele Lebensjahre.
Ja... möchte man als Girllover oder auch Boylover da nicht sofort unterschreiben? Und ist das nicht letztendlich auch einer der großen Konflikte, die wir immer wieder beobachten können? Also: Dass wir dafür plädieren, die Kinder als Kinder ernstzunehmen - während sie von "Normalos" allzu oft nur als zukünftige Erwachsene betrachtet werden, wodurch ihr jetziges, kindliches Sein und Empfinden entsprechend geringschätzt und für weniger wichtig erklärt wird? Stichwort informed consent, wobei man das natürlich auch in zahlreichen anderen Bereichen sehen kann.

Ich werde mich noch weiter einlesen, wenn ich mal mehr Zeit habe. Bis dahin gerne eure Gedanken zu Janusz Korczak oder den von ihm formulierten Kinderrechten.


Zuletzt geändert von Arrowhead am 22.10.2021, 16:10, insgesamt 1-mal geändert.
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BeitragVerfasst: 22.10.2021, 12:15 
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Danke für die Ausführungen. Ich selber wäre ja zu verlebt und müde für diese Recherchen, freue mich aber wirklich über Deine Zusammenfassungen! Ob pädoviel oder pädowenig- ein toller Mensch war er!

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BeitragVerfasst: 22.10.2021, 15:18 
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(*1978, †1942)

wie geht das denn? :roll:

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BeitragVerfasst: 22.10.2021, 15:30 
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Dass du ihn entdeckt hast, finde ich wunderschön!

Wobei man nicht vergessen darf, dass Kinder in dieser Zeit und noch früher, ja (vorallem in den niederen Bevölkerungsschichten)gar keine Kinder sein durften und wie kleine Erwachsene behandelt wurden und rau mit anpacken mussten.

Ich habe vor kurzem "Der Verdingbub" gesehen und war so dermassen traurig.

"Die Schweiz um 1950. Der zwölfjährige Waisenjunge Max träumt von einer "richtigen" Familie. Als ihn der Pfarrer auf den Bauernhof der Bösigers verdingt, hofft Max auf Liebe und Zuneigung. Doch der trunksüchtige Bauer und seine Frau halten ihn wie ein Arbeitstier. Auch der Sohn Jakob setzt dem Verdingbub körperlich und seelisch zu. In der Schule bemerkt die Lehrerin die Spuren der Misshandlungen. Sie verhilft Max zu Selbstachtung, indem sie seine Leidenschaft für das Spielen der Handorgel fördert. Ein Auftritt beim örtlichen Schwingfest sorgt aber für Missgunst und macht das Leben auf dem Bauernhof noch schwerer. Neben der Musik gibt die 15-jährige Berteli Max Kraft, die ebenfalls an die Bösigers verdingt wurde. Mit ihr träumt er sich in eine Fantasiewelt nach Argentinien, wo man Tango tanzt und immer Fleisch isst. Doch die Realität schlägt schon bald wieder brutal zu
Erscheinungsdatum: 25. Oktober 2012 (Deutschland)"

Schön, dass es Menschen wie Janusz Korczak gab!

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BeitragVerfasst: 22.10.2021, 16:10 
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Leni hat geschrieben:
22.10.2021, 15:18
(*1978, †1942)

wie geht das denn? :roll:
Tippfehler machen sowas möglich. :P
Danke, ist verbessert.
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BeitragVerfasst: 23.10.2021, 18:48 
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Arrowhead hat geschrieben:
21.10.2021, 23:53
Und nochmal ein sehr schönes Zitat von Janusz:
Janusz Korczak hat geschrieben:Um der Zukunft willen wird gering geachtet, was es, das Kind, heute erfreut, traurig macht, in Erstaunen bringt, ärgert und interessiert. Für dieses Morgen, das es weder versteht noch zu verstehen braucht, betrügt man es um viele Lebensjahre.
Ja... möchte man als Girllover oder auch Boylover da nicht sofort unterschreiben?
*unterschreib*

Das Zitat ist wirklich sehr gut. Die formulierten Kinderrechte gefallen mir auch. Zwar mag der erste Punkt sehr überspitzt formuliert sein, aber das trifft es doch eigentlich ganz gut: Wenn man sich zu sehr davor fürchtet, zu sterben (im Extremfall) oder eben schlechte Erfahrungen zu machen, kann man auch nicht das Leben genießen, weil man von unsichtbaren Gitterstäben zurückgehalten wird. Wie schrecklich es doch wäre, wenn Kinder nicht das Haus verlassen oder in der Natur spielen dürften, weil sie sich womöglich verletzen könnten oder diese irrationale Angst vor dem "schwarzen Mann" vorherrschend ist. Diese Überbehütung kennen wir ja unter dem Begriff "Helikopter-Eltern", was Studien zufolge eine schlechte Auswirkung auf die Entwicklung des Kindes hat. Genau dieser Entscheidungswille soll den Kindern aber bei sexuellen Handlungen per Gesetz abgesprochen werden. Es darf hier keine eigenen Erfahrungen machen. Das ist wirklich nichts weiter als Bevormundung seitens des Staates/Gesetzgebers. Bei dem zweiten und dritten Recht kommen dann auch wir Girllover ins Spiel, denn wir lieben das Kind ja gerade deshalb, weil es ein Kind ist, d.h. wir nehmen es als solches wahr und zwängen es nicht in eine Rolle rein oder setzen es gar einer emotionalen Überforderung aus. Letzteres würde unserer Gefühlswelt doch eindeutig widersprechen. Dabei ist es einfach nur wunderschön, ein glückliches Kind zu sehen und mit diesem einen schönen Tag verbringen zu können. Bei uns darf das Kind so viel Kind sein wie es möchte!

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Ich liebe kleine Mädchen so wie es ihnen lieb ist.
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